Köln: 20.–24.02.2024 #didacta

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„Digi… was?“ - Bildungsprofis diskutieren über den steinigen Weg zur Bildung 4.0

Rund 30 Jahre nach Erfindung des World Wide Web steht die digitale Transformation des deutschen Bildungssystems auf dem Prüfstand: Müsste der Prozess nicht inzwischen viel weiter sein? Eigentlich schon, doch für die Umsetzung lassen sich fast ausschließlich schlechte Noten verteilen. Die Folge? „Versetzung gefährdet!“

„Wir haben alle in den letzten Monaten bitter gelernt, dass wir früher mit der Digitalisierung der Schulen hätten beginnen müssen und auch mehr Kraft dort investieren müssen“, sagte die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Britta Ernst, im Vorfeld der letzten didacta. Diese Erkenntnis bestätigt auch der Bericht „Bildung in Deutschland 2020“, der alle zwei Jahre die Entwicklung des deutschen Bildungswesens beschreibt und in dieser Ausgabe einen Schwerpunkt auf die „Bildung in einer digitalisierten Welt“ legt. „Wir haben eine zunehmende Digitalisierung oder Digitalisierungsbedarfe in allen Bildungsbereichen. In einem rasanten Tempo durchdringen digitale Medien den Alltag.

Trotz dieser rasanten Verbreitung digitaler Medien bleibt der Einsatz in vielen Bildungseinrichtungen weiter hinter den außer-institutionellen Lernkontexten zurück“, so Bildungsforscher Prof. Dr. Kai Maaz bei der Vorstellung der Ergebnisse im Juni. Und das, obwohl es laut aktuellem Bildungsbarometer 2021 nicht an Rückhalt aus der Gesellschaft mangelt. Die Mehrheit der Deutschen ist beispielsweise dafür, dass digitale Technologien wie Computer und Tablets an Schulen auch nach der Pandemie verpflichtend zum Einsatz kommen und Lehrkräfte digitale Sprechstunden anbieten.

Geld allein reicht nicht
Auch wenn der DigitalPakt Schule seit Sommer 2019 finanzielle Mittel für die digitale Infrastruktur an Schulen bietet, stehen Schulträger und Schulleitungen meist noch vor der großen Herausforderung, den Unterrichtsalltag zu digitalisieren. Zu häufig werden – laut des gemeinnützigen „Bündnisses für Bildung“ – IT-Projekte an Schulen nur von engagierten Einzelpersonen vorangetrieben. Abhilfe soll die „Checkliste für die Implementierung von schulischer Infrastruktur“ des Bündnisses leisten. Sie unterstützt Schulen und ihre Träger dabei, individuell zu entscheiden, welche Art von digitalem Lernen zu Schülern und Lehrpersonal passt. Neun Eckbausteine sollen auf unverzichtbare Aspekte der schulischen IT-Ausstattung hinweisen. Ein ähnliches Ziel verfolgt auch der Didacta Verband mit seinem Leitfaden für Schulträger, Kommunen und Schulleitungen: „Erste Schritte auf dem Weg zur digitalen Schule“.

Wo bleibt der „Digitalpakt Kita“?
Digitale Bildung fängt allerdings nicht erst in der Schule an. „Die Welt, in der unsere Kinder aufwachsen, ist digital. Daran besteht kein Zweifel“, sagt Prof. Dr. Julia Knopf, Mitglied im Vorstand des Didacta Verbands und Vorsitzende des Ausschusses Frühe Bildung. Sie kommen bereits im Kita-Alter mit digitalen Medien in Kontakt, meist über das Tablet oder Handy der Eltern. Doch fehlen laut Bildungsbericht „Bildung in Deutschland 2020“ auch in Einrichtungen der frühen Bildung digitale Medien und Konzepte. In den vergangenen Monaten haben sich daher Forderungen nach einem „DigitalPakt Kita“ gemehrt. Zu den Unterstützern zählen die Bundesvereinigung Evangelischer Tageseinrichtungen für Kinder (BETA), das Niedersächsische Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung, der Verband Katholischer Tageseinrichtungen für Kinder (KTK), der Deutsche Caritasverband und der Didacta Verband.

Ihr Argument: Was in der Präambel zum DigitalPakt Schule steht, muss auch für die Kindertagesbetreuung gelten: „Die fortschreitende Digitalisierung aller Lebensbereiche stellt eine zentrale strukturelle Herausforderung für die Bildung junger Menschen am Bildungsstandort Deutschland dar. Es ist eine der großen Zukunftsaufgaben, die Schülerinnen und Schüler an den Schulen in Deutschland umfassend auf die Digitalisierung in allen Lebensbereichen vorzubereiten.“ Laut Bildungsexpertin Knopf sollen Kinder dabei auf spielerische Weise an digitale Themen und Geräte herangeführt werden, ohne das analoge Spiel zu vernachlässigen. Doch Medienerziehung ist in der Kita oft ein Reizthema - so die Stiftung Digitale Chancen, die aktuell das vierjährige Forschungs- und Praxisprojekt „Medienerziehung im Dialog von Kita und Familie“ durchführt: Auch wenn es politisch gefordert wird, stehen viele Eltern und pädagogische Fachkräfte digitaler Medienerziehung in der Kita skeptisch gegenüber.

Digitales Lernen: ein Leben lang
Als Status quo lässt sich festhalten: Die Transformation im Bildungsbereich ist noch lange nicht vollzogen, auch wenn wichtige Weichen gestellt wurden. Eine Erkenntnis ist inzwischen auch im Bundesministerium für Bildung und Forschung angekommen: Die Digitalisierung im Bildungsbereich kann nur über die gesamte Bildungsbiografie bewerkstelligt werden. 49 Forschungsprojekte sollen seit 2018 für jede Lebensetappe Antworten auf die Herausforderungen des technologischen Wandels finden. Es bleibt abzuwarten, wie diese Antworten ausfallen werden.

Das Thema auf der Messe
Reichlich Gelegenheit zum Austausch, zur Diskussion und inhaltlichen Auseinandersetzungen – auch zum Thema Digitalisierung unseres Bildungssystems - bieten auf der didacta 2022 zahlreiche Foren, Kongresse und Talkrunden auf den Eventbühnen in den Hallen. 

Quellenangabe: Dieser Beitrag erschien zuerst im didacta Themendienst. 
Bildmaterial zu diesem Artikel finden Sie hier: https://bildungsklick.de/fruehe-bildung/detail/der-steinige-weg-zur-bildung-40 

Weitere Artikel und Interviews zur didacta – die Bildungsmesse 2022 finden Sie im Dossier auf www.bildungsklick.de. 

Pressekontakt

  • Michael Steiner

    Michael Steiner Kommunikationsmanager

    Telefon +49 221 821-3094
    Telefax +49 221 821-3544

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