Köln: 20.–24.02.2024 #didacta

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Inspiriert vom „Minority-Report

ECKENTAL – Früher war alles zwar einfacher,
aber genauso teuflisch wie
heute. Da stand man vor der Schultafel
mit der Kreide in der Hand und
versuchte, das, was man in der letzten
Mathestunde kapiert zu haben
glaubte, dem Lehrer darzulegen.
Etwa eine Parabel zu zeichnen und
deren Ableitung hinzukriegen, mehr
krumm und schief als logisch.
Dann kam „Minority Report“ ins
Kino, ein düsterer Science-Fiction-
Krimi. Darin fummelt Tom Cruise als
Ermittler an einer riesigen Glasscheibe
herum, zaubert Bilder herbei,
trägt Informationen zusammen, ruft
Stadtpläne auf, zoomt Ansichten und
Daten heran und löscht sie wieder.
Das war im Jahr 2003 absolute
Zukunftsmusik. Heute setzt sich das
Wunderwerk in den Klassenzimmern
durch. Und das Zeichnen einer
Parabel geht viel glatter. Nur ihre
Berechnung muss man immer noch
selbst hinbekommen.
Einer, den „Minority Report“ mit
seinen Vorgriffen auf die digitale
Zukunft motivierte, ist Uwe Wende.
Der hatte erst Karosseriebau und
Lackierung gelernt. Doch dann fand
er mehr Gefallen an der Telekommunikation
und dem Mobilfunk, der
damals noch in seinen Anfängen
steckte. Wende lernte bei der Firma
BSK Büro und Designerhaus in Nürnberg
und hatte dort den ersten Kontakt
mit interaktiven Whiteboards.
Einen Tag vor Weihnachten, am
23. Dezember 2011, gründete Uwe
Wende in Nürnberg seine Firma
„Wende.interaktiv“, die heute im Eckentaler
Ortsteil Eschenau residiert.
Sein Erfolgsrezept beruht auf der Vereinfachung:
„Damals war alles viel
komplizierter“, erläutert der 55-Jährige,
„jedes Gerät brauchte seinen eigenen
Treiber, seine eigene Software
und seinen eigenen IT-Fachmann,
der dem Nutzer wochenlang alles
erklären musste.“ Wendes Erfindung:
das systemkompatible „galneoboard“,
ein Board ohne eigenen Treiber,
Software und Instrukteur. Einfach
an den PC anschließen, und der
Rest geht von allein.
Was bedeutet der Name? „Gal
kommt von Galileo Galilei, und neo
bedeutet einfach neu“, erklärt sein
Erfinder. 2014 erschien der galneoscreen.
Der Unterschied: beim Board
hängt oben ein Beamer, beim Screen
ist der Monitor selbst das bildgebende
Medium. 2015 folgte der Sprung
von High Definition zum 4 K mit
superscharfem Pixelbild. Die Formate
eines solchen Screens reichen von
55 Zoll in der Diagonale bis 98 Zoll (1
Zoll = 2,54 cm), das Gewicht von 48
bis zu 162 Kilo. „So einfach lässt sich
das nicht klauen“, grinst der Chef.
Umsetzung in China
Die Technik brütet Uwe Wende
selbst in seinem Büro aus, die technische
Umsetzung erfolgt in Shenzhen,
„dem Epizentrum der Interaktivität“,
wie Wende es nennt. Viermal im Jahr
fliegt er für eine Woche nach China.
„Natürlich kann man alles per Videokonferenz
besprechen, aber ich muss
auch in das Gerät hineingreifen können“,
erklärt Wende. „Ich bin ein
sehr haptischer Mensch.“ Kann man
die Technik noch weiter ausreizen?
„In der Qualitätssteigerung kaum
noch, aber man kannweiter vereinfachen,
noch nutzerfreundlicher gestalten.
Oft bekommen wir Anregungen
von den Kunden, nach dem Motto:
Ach könnten Sie vielleicht noch dies
und jenes . . .?“
Zur Demonstration berührt Uwe
Wende den Screen in seinem Büro.
Sofort verwandelt sich die blaue
Monitorfläche in eine schiefergrüne
Schultafel mit dreifacher Lineatur
wie in der Grundschule. Nun
schreibt er mit dem Finger Buchstaben
in Kreideweiß. Zum Beispiel das
Wort „Apfel“. Das A füllt Erdgeschoss
und Dachboden (mittlere und obere
Zeile), das p reicht bis in den Keller
(unterste Zeile), das f stößt wieder
zum Dach empor.. . ganz wie früher,
als wir schreiben lernten, indem wir
uns vorstellten, dass die Buchstaben
in einem Haus wohnen. Sämtliche in
Deutschland gebräuchliche Lineaturen
sind in dem Screen gespeichert
und abrufbar.
Eine Schultafel sieht Generationen
von Schülern heranreifen und
Generationen von Lehrern dahinwelken.
Ein Touchscreen dagegen hat
bislang eine Lebensdauer von acht
bis zehn Jahren. Das dürfte die Schulen
einiges kosten, obwohl solch ein
Screen mit 5000 Euro noch relativ
günstig ist. „Der Schulmarkt macht
etwa 60 Prozent unserer Klientel aus,
gefolgt von Industrie-Unternehmen“,
rechnet Wende vor. „Die reichen
vom Fünf-Mann-Büro bis zum
Großkonzern, der die Screens dutzendweise
in den Besprechungsräumen
verbaut.“ Ein Ende des Booms
ist nicht in Sicht, auch dank Corona:
„Die Krise kam bei uns richtig dramatisch
an – aber im guten Sinne“,
erzählt Wende.
„So viele Konzerne halten ihre
Meetings per Videokonferenz, die Krise
hat die Digitalisierung an den
Schulen schneller vorangebracht.
Das hybride Klassenzimmer, in dem
der Lehrer die Kinder über den
Schirm unterrichtet, wäre auch ohne
Corona gekommen, bloß zehn Jahre
später. Verglichen mit Skandinavien
befinden sich die deutschen Klassenzimmer
noch in der Steinzeit.“
Corona ist auch anderweitig behilflich.
Der galneoterminal cc (cc steht
für Customer Control), steht am Eingang
eines Geschäfts, zählt die einund
ausgehenden Kunden, und
sobald innen die Höchstzahl erreicht
ist, verkündet der Schirm „Stop! Bitte
warten!“ Solange, bis genügend Menschen
den Laden verlassen haben.
„Ob sich die Leute daran halten, ist
dem gesunden Menschenverstand
überlassen“, meint Uwe Wende. Und
wenn die Pandemie vorbei ist? „Dann
kann der Eigentümer feststellen,
wann wie viele Kunden kommen,
und sich danach richten.“ Und der
Datenschutz? Was ist mit der
Gesichtserkennung? „Die Kamera ist
auf Bauchhöhe fixiert. Das Gerät
erkennt nicht einmal, ob ein Mann
oder eine Frau das Haus betreten.
Falls jemand eine Schaufensterpuppe
mitschleppt, würde die als Kunde
mitgezählt.“
Beim Verlassen der Firma passieren
wir so einen Terminal, dessen
Monitor am Eingang den Besucher
auf die Auflagen wegen der Corona-
Pandemie hinweist. Vor ein paar Jahren
wäre da ein Pappkamerad gestanden
mit einem Zettel, und die Botschaft
mit Filzstift geschrieben. Wie
primitiv! Aber irgendwie sympathisch.

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