27.11.2018

Drum prüfe, wer sich ewig bindet

didacta-Themendienst Nr. 01

Lehrermangel, Pflegenotstand und Azubi-Krise. In Deutschland fehlen Fachkräfte über alle Branchen hinweg. Dabei spielt nicht nur die schrumpfende Anzahl passender Berufsanwärter eine Rolle, sondern auch die Schwierigkeit, diese Fachkräfte länger an Arbeit und Arbeitgeber zu binden.

Deutschland gehen die Lehrkräfte aus. Rund 32.000 Lehrerinnen und Lehrer werden laut Kulturministerkonferenz (KMK) pro Jahr bis 2030 gebraucht. Jedes Jahr könnten Hunderte dieser Lehrerstellen unbesetzt bleiben.  „Wir müssen unterm Strich festhalten, dass ohne neue Anstrengungen der Länder für Deutschland bis zum Jahr 2030 insgesamt weniger ausgebildete Lehrkräfte zur Verfügung stehen als benötigt werden“, moniert Helmut Holter, amtierender KMK-Präsident und thüringischer Kultusminister.

Länder locken Lehrer
So übertreffen sich die Länder gegenseitig dabei, jungen Menschen den Einstieg ins Lehramt und den späteren Berufsverbleib schmackhaft zu machen. Sachsen hob beispielsweise zuletzt die Gehälter für Grundschullehrer an und auch Lehrkräften im ländlichen Raum winkt neuerdings eine Zulage. In Berlin müssen neue Lehrer hingegen erst gefunden werden, bevor man sie durch derlei Anreize binden könnte. Das Berliner Lehramt-Stipendium lockt Studierende mit 500 Euro monatlich, wenn sie nach dem Bachelor in Mathe, Physik, Chemie, Biologie oder Informatik doch noch ein Lehramtsstudium in diesen Fächern aufnehmen. In Nordrhein-Westfalen startet die Landesregierung indes eine zwei Millionen Euro teure Charmeoffensive. „Lehrer in NRW zu werden heißt, einen Beruf mit besten Zukunftsaussichten zu ergreifen. Darauf möchten wir auf allen Kanälen und mit verschiedenen Mitteln aufmerksam machen“, erklärt Bildungsministern Yvonne Gebauer das offensive Werben.

Selbstverwirklichung schlägt Gehalt
Um Arbeitskräfte für einen Beruf zu begeistern und langfristig halten zu können, reichen finanzielle Anreize allein jedoch nicht aus. Darauf lassen die Ergebnisse einer Befragung des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag von McDonald‘s schließen. Weil die Mehrzahl der jungen Leute heute keine unmittelbare Sorge um einen Platz in Ausbildung und Beruf mehr haben muss, verschieben sich laut Studie ihre Wünsche immer mehr in Richtung Selbstverwirklichung. Im Werben um Studierende und Azubis muss dementsprechend mehr Überzeugungsarbeit geleistet werden. Denn Fachkräfte fehlen nicht nur im Bildungswesen, sondern auch in vielen Ausbildungsberufen. Dem soll zum Beispiel eine Initiative der Industrie- und Handelskammer (IHK) sowie der Handwerkskammern entgegenwirken, die sogenannte Ausbildungsbotschafter in die Schulen schickt. Bei diesem Projekt werden Auszubildende geschult, um vor Schülern ihren jeweiligen Ausbildungsberuf vorzustellen. Azubis stärken so ihre sozialen Kompetenzen und werden von den Gleichaltrigen besser akzeptiert, berichtet Wolfgang Trefzger von der IHK NRW. „Die Azubis haben einen Riesenvorteil: Authentizität. Die Schüler können durch die Altersnähe viel mehr mitnehmen als bei älteren Beratern.“

Pflegekind Pflege
Auch in der Pflege herrscht akuter Fachkräftemangel. Nach Statistiken der Bundesagentur für Arbeit sind 11.000 Krankenpflegestellen unbesetzt. Ein neues Pflegeberufegesetz sieht eine generalistische Ausbildung vor, die den Wechsel zwischen den drei bisher getrennten Berufen Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpfleger vereinfachen soll. Das erntet Kritik. Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe bemängelt beispielsweise, dass die geplante Ausbildung an der Realität scheitern könne: Die Pflegeschulen würden sich schwertun, „eine Ausbildung zu planen, die viele unterschiedliche Interessen bedienen soll und bis Ende des zweiten Ausbildungsjahres kaum kalkulierbar bleibt.“

Fachkraft finden und binden
Auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gewinnt im Werben um Fachkräfte immer mehr an Bedeutung. Eine Betriebskita kann bei berufstätigen Eltern den Ausschlag für die Jobwahl geben und zudem auf betriebliche Bedürfnisse, wie Öffnungs- und Arbeitszeiten, Rücksicht nehmen. Dies zu initiieren stellt Unternehmen jedoch vor das Problem, das Ringen um Fachkräfte erneut zu beginnen. Denn auch in der frühkindlichen Bildung fehlen der Bertelsmann-Stiftung zufolge 100.000 zusätzliche Vollzeitkräfte. Und die müssen erstmal gefunden und gebunden werden. Anreize dafür soll eine Fachkräfteoffensive für Erzieher liefern, die der Bund begleitend zum Gute-Kita-Gesetz starten wird. Für das Gesetz investiert er 5,5 Milliarden Euro in den kommenden vier Jahren bis 2022.

Neben der Ausstellung ist das anspruchsvolle Event- und Kongressprogramm mit über 1.000 Foren, Workshops, Vorträgen, Seminaren, Sonderschauen und Podiumsdiskussionen ein absolutes Highlight der didacta. Das macht die didacta zur idealen Weiterbildungsveranstaltung und unverzichtbar für Erzieher, Lehrer, Ausbilder, interessierte Eltern und alle, die mit Bildung beauftragt sind.

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